Un’amicizia del mondo di ieri / Kulturforum Mailand

Enrico Rocca - Übersetzer von Stefan Zweig

Vortrag von Orietta Altieri-Alt mit anschließendem Publikumsgespräch.
Eine Freundschaft von gestern" ist die Freundschaft zwischen dem Wiener Schriftsteller Stefan Zweig und dem aus Gorizia stammenden Enrico Rocca, Übersetzer aus dem Deutschen, Essayist und Journalist, die zwischen dem Ende der 1920er und den 1940er Jahren entstand und gedieh. Dies ist das Thema des ersten Vortrags des neuen Zyklus, den der Österreichische Bibliotheksverband in Zusammenarbeit mit der Universität Udine am Mittwoch, 2. März, um 17.45 Uhr im Palazzo organisiert.
Enrico Rocca, gehörte ebenfalls der jüdischen Gemeinde in Gorizia an und wuchs zudem in einem zweisprachigen italienisch-deutschen Umfeld auf. Zwischen den 1920er und 1940er Jahren war er einer der aufmerksamsten und freimütigsten Beobachter des österreichischen und deutschen Literaturlebens, über das er in zahlreichen Zeitschriften und Zeitungen berichtete. Zweig, damals schon ein international etablierter Schriftsteller, war von Roccas Übersetzungen begeistert, und es entwickelte sich eine aufrichtige Freundschaft zwischen den beiden, die auch auf ihrer ähnlichen Einstellung zur jüdischen Religion beruhte. Beide waren eigentlich konfessionslos und damit in die Mehrheitsgesellschaft integriert, sahen sich aber gerade wegen ihrer jüdischen Identität in ihrem Leben gestört. Ihre geistige Verwandtschaft führte auch zu einem gemeinsamen tragischen Ende. Beide nahmen sich das Leben: Zweig 1942 im Exil in Brasilien, Rocca im Rom, das gerade von den Alliierten im Juli 1944 befreit worden war.
Orietta Altieri-Alt (Gorizia 1958) unterrichtete Deutsch an verschiedenen sprachlichen Gymnasien in den Provinzen Gorizia und Udine. Dabei hat sie die historische Forschung nie vernachlässigt, vor allem in Form von Publikationen über religiöse Minderheiten in Görz bis 1945, deutschsprachige Kultur und Migrationsprozesse im ehemaligen österreichischen Grenzgebiet.